21. Maximillian BÜSSER – MyLittleRedCar-Kolumne in AUTOHEROES #032


„Larry Shinoda und Bill Mitchell haben mit ihrem absolut unglaublichen Design und Zora Arkus-Duntov mit ihrer für die damalige Zeit weit vorausgeeilten Ingenieursleistungen ein Meisterwerk geschaffen.“
Zeichne mir ein Auto
Maximilian Büsser, Gründer des Uhrenherstellers MB&F, vereint in seiner MAD Gallery zwei Leidenschaften. Dort stellt er seine Uhrmacherkunst neben kinetischer und automobiler Kunst aus. Er schildert kurz seinen Werdegang und seine Liebe zu einer Ikone der 1960er-Jahre.
Ich war noch keine vier Jahre alt, es war 1971, und mein Vater schenkte mir einen Auto-Almanach von 1966. Ein Buch mit über 250 Seiten, das mir größer vorkam als ich. Jede Seite war einem Auto des Jahres gewidmet. Als einsames Einzelkind verschlang ich es. Ich lernte es auswendig.
Mein Vater wurde 1922 geboren. Er hat nie wirklich mit mir gespielt. Ich kann mich nicht erinnern, dass er jemals „gut gemacht“ oder „Ich hab dich lieb“ gesagt hätte. Aber er liebte Autos über alles. Unterbewusst wollte ich seine Aufmerksamkeit. Wann immer wir also eine Autofahrt unternahmen, beschrieb ich ihm alle Marken und Modelle – er schien stolz oder amüsiert, und das genügte mir. Unsere jährlichen Ausflüge zum Genfer Autosalon wurden zum Höhepunkt des Jahres. Ich frage mich heute, ob er die tiefe Freude ahnte, die ich in dieser besonderen Zeit mit ihm empfand.
Es war also kein Zufall, dass ich von meinem vierten bis achtzehnten Lebensjahr ununterbrochen Autos zeichnete. Meine Notizbücher waren voll davon, und mir wurde klar: Ich würde Automobildesigner werden. Dann, 1985, als ich gerade mein Abitur machte, eröffnete das Pasadena Art Center, die beste Automobildesignschule der Welt mit Sitz in Kalifornien, wie es der Zufall wollte, ihr europäisches Zentrum in der Schweiz. Mein Schicksal war zum Greifen nah, nur zwanzig Minuten von zu Hause entfernt! Leider konnten meine Eltern sich mein Studium schlichtweg nicht leisten. Sie versprachen mir, einen Weg zu finden, aber ich wagte es nicht, sie um ein so großes finanzielles Opfer zu bitten. Also traf ich eine vernünftigere Entscheidung und wurde Mikrotechniker. Fünf Jahre voller Prüfungen, in denen ich beinahe in eine Depression verfiel.
Zum Glück ermöglichte mir die Entdeckung der faszinierenden Welt der mechanischen Uhrmacherei (einer kleinen, damals ums Überleben kämpfenden Branche), mich über Wasser zu halten. Letztendlich war es reiner Zufall, dass ich 1991 meine erste Stelle als Produktmanager bei der kleinen Manufaktur Jaeger-LeCoultre fand … „und der Rest ist Geschichte“, wie die Engländer sagen. Die Uhrmacherei rettete mich. Sie schenkte mir einen Beruf, den ich liebe, eine Familie, einen Sinn im Leben. Ich verdanke ihr alles, doch meine erste Liebe habe ich nie vergessen.
2013 stieß ich zufällig auf eine wunderschön restaurierte Corvette Sting Ray (C2) von 1965, restauriert von Olivier de Siebenthal. Es war Liebe auf den ersten Blick, ein überwältigender, unwiderstehlicher Drang, sie zu besitzen. Es sollte Jahre dauern, bis ich diesen Impuls verstand: Das Auto, das mich in dem Almanach meines Vaters von 1966 am meisten beeindruckt hatte, war eine schwarze Sting Ray, und eines meiner liebsten Spielzeugautos aus meiner Kindheit ist diese rote Sting Ray, fotografiert von MyLittleRedCar. Sechzig Jahre nach ihrer Entstehung löst sie überall, wo sie auftaucht, eine Welle der Begeisterung aus, und jedes Mal, wenn ich sie ansehe, bin ich wieder vier Jahre alt.
Maximilian Büsser für MyLittleRedCar

„So spielt das Schicksal: Der kleine Max zeichnete immer Autos. ‚Später werde ich Autodesigner.‘ Als er erwachsen war, wurde er schließlich Uhrmacher und gewann beim 22. Grand Prix d’Horlogerie de Genève die prestigeträchtigste Auszeichnung der Uhrmacherkunst: die Aiguille d’Or.“
BONUS


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