16. Bruno SABY – Die Kolumne „MyLittleRedCar“ in AUTOHEROES #027

„Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, erinnere ich mich sogar an einen Wespenstich in diesem Fahrzeug, der den italienischen Namen für dieses Insekt trug!“

SIE HAT ALLES, WAS EINE GROSSE AUSZEICHNUNG GIBT

Bruno Saby aus Grenoble, Gewinner prestigeträchtiger Rallyes (Monte Carlo, Tour de Corse), hat eine ganz besondere Beziehung zur Vespa 400. Hier erfahren Sie warum.

Jeden Tag fahre ich auf kurvenreichen Straßen in der Nähe meines Heimatdorfes Gières, einer kleinen Stadt östlich von Grenoble.
Im sanften Licht des Sonnenuntergangs, wenn die Schatten der Berge die Baumwipfel umspielen, überkommt mich oft die süße Nostalgie jener Zeit, als Glück ein ständiger Zustand war. Erinnerungen sprudeln in mir auf wie Funkenregen unter den Spikereifen, die sich in die Straßen der Rallyes meiner Kindheit krallten.

Meine Freunde und ich hatten immer beste Sicht auf die vorbeirasenden Autos der Rallye Monte Carlo. Mit vor Kälte blauen, zu Fäusten geballten Fingern und kurzem, beschlagenem Atem lauschten wir in der Ferne dem Motorengebrüll und dem Geräusch der Gangwechsel. Als der Rennwagen endlich näher kam, überkam uns eine unwiderstehliche Hitze, und unsere Füße, die fest im Schnee am Straßenrand standen, begannen plötzlich zu wippen.

Mir scheint, die Kindheit ist genau das: magische Momente, die wir unser Leben lang wiederzuerlangen versuchen. Wir waren fasziniert von den Feuerwerkskörpern, die die pyramidenförmigen Stollen der aus den nordischen Ländern importierten Reifen erzeugten. Auf trockenem Asphalt boten sie unseren jungen Augen ein wahres Feuerwerk. Der Geruch von glühendem Öl, der Rauch der Motoren dieser Rennwagen, der wie Sternschnuppen vorbeizischte, überwältigte all unsere anderen Sinne. Die Fahrer waren unsere Helden, mehr noch als all jene, die sich darauf vorbereiteten, den Weltraum zu erobern.

1959 war ich zehn Jahre alt und erinnere mich, wie Vespas 400 zwischen den großen Motorrädern vorbeifuhren. Vielleicht war dieses kleine, unscheinbare Gefährt der Auslöser: Wenn so eine bescheidene Maschine, die sogar mein Vater fuhr, an der Rallye teilnehmen konnte, rückte der Traum, eines Tages selbst zu den Helden zu gehören, in greifbare Nähe.

Der Chef meines Vaters, ein Handelsreisender, lieh ihm ab und zu einen, und ich stellte mich mit hochgezogener Kapuze auf den Sitz, die Haare im Wind wehend. Welch eine Freiheit!
In unseren Bergen kommt der erste Schnee manchmal ganz unerwartet, und ich erinnere mich noch gut an die Geschichte meines Vaters von dem LKW-Fahrer, der sich bereit erklärte, seine Vespa 400 auf seinen Anhänger zu laden und sie so im Pulverschnee einzuschließen. Kein Wunder also, dass ich mir ein paar Jahre später, noch vor meinem Führerschein, eine Vespa 400 kaufte – mein erstes Auto, mein erstes Driften auf der Straße!

Mein Vater, anfangs skeptisch, musste sich meinem Entschluss, Rennfahrer zu werden, nicht lange widersetzen. Er war mein erster Beifahrer! Die ganze Familie glaubte an mich; meine Geschwister unterstützten mich und liehen mir sogar ihre eigenen Autos. Ich fuhr Rennen in eher bescheidenen Wagen. Die guten Rundenzeiten und die Siege, die ich gegen deutlich stärkere Fahrzeuge errang, brachten mir die Aufmerksamkeit der Branche ein. Mit Geduld und Ausdauer startete ich meine Karriere. Im Laufe der Jahre fuhr ich legendäre Autos wie den Renault 5 Turbo, den Lancia Delta Integrale und den 205 Turbo 16. Ich kann heute ehrlich sagen, dass ich, unabhängig von der PS-Zahl oder dem Niveau der Konkurrenz, während des Rennens zu einem der Helden meiner Kindheit wurde.

2018, dreißig Jahre nach meinem Sieg bei der Rallye Monte Carlo, nahm ich, fast trotz der Vergänglichkeit der Zeit, mit meinem Sohn an der historischen Version der Rallye teil. Sie können sich sicher denken, welches Fahrzeug wir wählten: das kleine 400-ccm-Moped, von dem ich schon mit zehn Jahren ein Miniaturmodell in der Tasche hatte! Was für ein Genuss, die Marseillaise wieder zu hören, die unseren Erfolg feierte und uns einmal mehr bewies, dass mit genügend Willenskraft jeder Traum wahr werden kann.

Bruno Saby für MyLittleRedCar

Bonus: Bruno Saby im UrlaubFamilie SabyBruno SabyBruno Saby

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